anhaltweb Sachsen-Anhalt erleben
Home | Kontakt | Impressum | Hilfe | Notizbuch
Hotel.de
Suche:
Anmelden Städte-Info Tourist-Info 23.08.2017
Regional
Sachsen-Anhalt
Stadt-Info

 

Neues aus Sachsen-Anhalt

Tourismus

Architektur-Tour im Jubiläumsjahr ANHALT|800

03.10.2012 Thema: Sachsen-Anhalt
Farbige Entdeckungen am Bauhaus und predigende Steine in Gernrode

Anzeige:
myToys.de - Einfach alles für Ihr Kind
Die Region Anhalt hat das Zeug zum architektonischen Schwergewicht. Der vor 800 Jahren gegründete und 1945 aufgelöste Kleinstaat gilt als eine der kleinsten und ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Mit dem Gartenreich Dessau-Wörlitz und den Bauhausstätten in Dessau besitzt sie zwei UNESCO-Welterbestätten. Das Bauhaus hat in den vergangenen Jahren eine umfassende Restaurierung hinter sich. Es zeigt sich heute in wesentlichen Teilen wie Ende der 1920er Jahre, als es nach Plänen von Walter Gropius entstand. Die Architektur-Tour in Anhalt führt auch in den Harz. Dort sind u.a. die um 959 errichtete romanische Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode und der Schlosspark in Ballenstedt zu besichtigen.

Lange Zeit prägten Schwarz und Weiß das Bauhausgebäude in Dessau. Inzwischen erhielt es sein ursprüngliches Gesicht zurück. Dieses war nicht ohne farbliche Akzente, wie der Begriff "Moderne" mitunter suggerierte. Im Inneren fanden Gelb, Rot, Blau und Grau Verwendung. Im Ateliergebäude zeigt sich die erfrischende Farbigkeit deutlich. Jede Etage erhielt ihr Gepräge durch eigene Kontraste. Es sind nicht nur unterschiedliche Töne, sondern auch differenzierte Oberflächen, die je nach Zweck von glänzend über rau bis matt wechseln. Die Decke in der Mensa zeigt diese Vielfalt augenscheinlich. Entdeckungen im Bauhaus, die kaum jemand vermutete. 1976 hatte die DDR-Denkmalpflege "nach bestem Wissen und Gewissen" restauriert, neue Erkenntnisse erlaubten heute andere konservatorische Maßnahmen. Sichtbar geblieben ist die Wiederherstellung der prägenden Vorhangfassade, die Bombenangriffen zum Opfer gefallen war. Nicht jedes ursprünglich zu öffnende Fenster erhielt die Funktion wieder, statt Stahl wurde für die Konstruktion Aluminium verwendet.

Im Bauhausgebäude lädt ein Bistro täglich zum Verweilen ein. Eine Dauerausstellung widmet sich der "Werkstatt der Moderne". Der Buchladen hat sich auf Literatur zu Kunst, Architektur und Design spezialisiert, aber auch die berühmten Lampen oder Eierkocher von Wilhelm Wagenfeld finden sich dort. Bei den Führungen öffnen sich historische Räume wie das ehemalige Direktorenzimmer. Das Ateliergebäude bietet preiswerte Übernachtungen im Ambiente der 1920er Jahre.

Offenheit prägt Dessaus Umgang mit den experimentellen Bauten der Bauhaus-Ära. Das alte Arbeitsamt, gebaut nach Plänen von Gropius, wurde Sitz des Ordnungsamtes.Der nahezu kreisrunde Bau ist ein Schmuckstück, teilweise existieren dort noch die Lampen der Bauhauskünstlerin Marianne Brandt. Die Stadt behandelt ihr Erbe behutsam. Viel war ihr an Baugeschichte nach den schweren Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg nicht geblieben. Die Siedlung Dessau-Törten gehört dazu. Mit mehr als 300 Einfamilienhäusern dokumentiert sie den preisgünstigen Wohnungsbau zwischen 1926 und 1928. Die ursprüngliche Einheitlichkeit ging bereits kurz nach der Fertigstellung verloren. Die Bewohner begannen, Fenster oder Türen ihren individuellen Wünschen anzupassen. Der Trend setzte sich bis in die jüngste Vergangenheit fort, mancher nennt es "das Scheitern der klassischen Moderne". Im Haus Anton, benannt nach der letzten dort lebenden Mieterin, kann der Originalzustand eines Törtener Reihenhauses begutachtet werden. Die sogenannten Meisterhäuser in der Ebertallee sind aufwendig saniert worden. Zu ihren Bewohnern gehörten Paul Klee, Georg Muche, Wassily Kandinski und Oskar Schlemmer. Das allein macht die kubischen Häuser fast zu Kultstätten. Im Zweiten Weltkrieg fiel die Direktorenvilla von Walter Gropius einem Bombentreffer zum Opfer. 1956 bildete deren Keller das Fundament für einen Neubau, der inzwischen verschwunden ist. Nun entsteht ein Gebäude im modernen Stil, das die ursprüngliche Kubatur aufgreift, sich als "zeitgenössischer Kommentar" zum nicht mehr existierenden Haus versteht. Eine ähnliche Lösung wurde für die ebenfalls zerstörte Doppelhaushälfte von Laszlo Moholy-Nagy gefunden (www.bauhaus-dessau.de).

Stiftskirche zu Gernrode
Stiftskirche zu Gernrode
Foto: Landesmarketing Sachsen-Anhalt GmbH
Fast wie eine anhaltische Enklave inmitten des alten preußischen Gebiets bietet die Region um Ballenstedt sehenswerte mittelalterliche Architektur. Markgraf Gero gründete in Gernrode das Damenstift St. Cyriakus. Der wuchtige romanische Kirchbau, in dem dessen Gründer seine letzte Ruhe fand, gehört heute zur Straße der Romanik und präsentiert sich in bester Erhaltung mit prächtigen Kapitellen am Kreuzgang. Der Schriftsteller Wilhelm von Kügelgen schrieb 1861: „Diese alten Kirchen sind versteinerte Psalmen. In einer Kirche wie der Gernröder kann die Predigt zur Not wegfallen, weil die Steine predigen.“ Restauriert ist das um 1090 errichtete Heilige Grab. Es gilt als älteste Nachbildung des Jerusalemer Grabes Christi nördlich der Alpen mit figürlichen Darstellungen. Seit dem Mittelalter blieb es im Wesentlichen unverändert (www.stadt-gernrode.de).

Nur einen Steinwurf von Gernrode entfernt thront das Schloss Ballenstedt über der Stadt. Schlosskirche, Krypta und Turm bilden ein beeindruckendes Ensemble. Der Park entstand nach Plänen Peter Lennés und zählt zu den landesweit 43 Gartenträume-Parks Sachsen-Anhalts. In der Klosterkirche (Straße der Romanik) befindet sich die Grabstätte Albrechts des Bären und im Museum gibt es Auskunft über die Geschichte und das Leben der Askanier. Das Barockschloss entstand im 18. Jahrhundert, das den Turm der einstigen romanischen Stiftskirche mit in das Gesamtbild einbezieht (www.ballenstedt-information.de).

Klaus-Peter Voigt


zurück

 
Karte


Busreisen