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Klosterlandschaften an der Straße der Romanik

16.03.2013 Thema: Sachsen-Anhalt
Das heilige Kleeblatt und die Klosterwelten

Kloster Drübeck
Kloster Drübeck
Foto: Landesmarketing Sachsen-Anhalt GmbH
Lebendige Klöster laden an der Straße der Romanik dazu ein, dem Alltagsstress zu entfliehen und mittelalterliches Lebenstempo zu spüren. Ehemalige Klöster erzählen zum Beispiel in Arendsee, Jerichow, Magdeburg, Schulpforta und Blankenburg vom Geschick romanischer Meister und bieten Raum für Konzerte und Kunstprojekte. Einige Einblicke:

"Wenn du dich denn so innig nach einem abgeschiedenen Leben sehnst, gut, so will ich dich auf der Huysburg neben der Marienkirche einschließen lassen", willigte Bischof Burchard II. von Halberstadt am 13. Juni 1070 in das Vorhaben der frommen Nonne Pia ein. Sie wollte sich eine Einsiedelei neben seiner Privatkapelle auf dem Huysberg, einem bewaldeten Höhenzug nördlich von Halberstadt, errichten. Eingemauert in einer Höhle auf Lebenszeit. Es gab lediglich einen Mauerspalt als Durchreiche für das Essen und als Kommunikationskanal für seelsorglichen Austausch. Karg, primitiv, hart war diese konsequente Weltabgewandtheit - die geistliche Antwort auf Verweltlichung und Sittenlosigkeit, die damals vielerorts das Klosterleben prägten. Ihr Weg besaß so viel Anziehungskraft, dass sich bald zwei weitere Frauen neben ihrer Klausnerhöhle einmauern ließen.

Man sprach bald vom "heiligen Kleeblatt", Symbol für den radikalen Anfang des spirituellen Lebens auf der Huysburg. Bemerkenswert auch, weil sich hier die Geschichte des christlichen Mönchtums wiederholte, die mit den asketischen Eremiten Ägyptens im 3. Jahrhundert begann. Auch der Ordensgründer Benedikt von Nursia lebte als Einsiedler, um zu erkennen, wie wichtig das gemeinsame Leben für das Mönchtum ist. 529 gründete er auf dem Monte Cassino in Mittelitalien ein Gemeinschaftskloster, modellhaft für Europa. Ein ausgewogenes Verhältnis von Beten und körperlicher Arbeit bestimmte dort den Alltag. Mit seiner Klosterregel beeinflusste Benedikt das gesamte abendländische Klosterleben, bis heute. Die Niederlassungen in seiner Tradition wurden zu Zentren von Bildung und Kultur und sorgten im 11. und 12. Jahrhundert für die Ausbreitung der romanischen Kunst in Europa. So auch in der Region des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt.

Die meisten der zahlreichen Klosterstationen an der Straße der Romanik gehen auf die Benediktiner zurück, wobei wieder die Huysburg ins Spiel käme. Die fromme Einsiedlerin Pia überredete ihren Beichtvater Ekkehard, ein Kloster nebenan zu gründen, was dieser 1080 in Angriff nahm. 1084 wurde es zur Benediktinerabtei erhoben, Startschuss für den Neubau von Kloster und Kirche. Noch heute sind die ursprünglich kreuzförmige romanische Basilika und ein zweigeschossiges Gebäude der Klosterklausur erhalten. Die lichtdurchflutete Kirche ist geprägt durch den rheinischen Stützenwechsel, bei dem sich Pfeiler und Säule, mit korinthisierenden Kapitellen und mit Pflanzenornamentik, abwechseln. Drei Blütezeiten erlebte das Kloster - und überlebte schmerzhafte historische Umbrüche. Das geistliche Leben riss nicht ab, 1972 schließlich kehrten die Benediktiner auf die Huysburg zurück.

Wer zur Ruhe kommen möchte, kann für einige Zeit in die einzigartige Atmosphäre des Klosters eintauchen, bei geistlichen Gesprächen und während der Stundengebete der Mönche auftanken. Die Betriebsamkeit des Lebens zum Schweigen bringen, kann man auch in einem anderen Kloster an der Straße der Romanik, dessen spirituelle Anziehungskraft seit dem Mittelalter nicht nachgelassen hat. Helfta, einst als "Krone der deutschen Frauenklöster" gerühmt, wurde 1229 als Zisterzienserinnenkloster nahe Eisleben gegründet. Es entwickelte sich zur Zeit der Äbtissin Gertrud von Hackeborn und ihrer Mitschwestern Mechthild von Magdeburg und Gertrud von Helfta - alle drei bedeutende Mystikerinnen - zu einem Zentrum mittelalterlicher Frauenbildung. Der Geist der heiligen Frauen ist auf eine geheimnisvolle Weise präsent geblieben, trotz des weitgehenden Verfalls der Gebäude. Seine wohltuende Wirkung können Menschen als Gäste der seit 1999 wieder bestehenden Gemeinschaft der Zisterzienserinnen erleben. Im alten Kuhstall des Klosters untergebracht, können sie Tage der Stille und Klosteraufenthalte unter dem Motto "Ora et Labora" (Bete und arbeite) erleben.

Ein lebendiges spirituelles Zentrum finden Menschen, die nach Wurzel und Weg ihres Lebens suchen im evangelischen Kloster Drübeck bei Wernigerode. Die imposante romanische Klosteranlage fand um 960 mit der Gründung eines bedeutenden Benediktinerinnenklosters ihre Anfänge. Nach der Reformation erlebte Drübeck eine zweite große Blüte als evangelisches Damenstift. Heute ist es Sitz eines Evangelischen Zentrums und bietet seinen Gästen mit dem "Haus der Stille" die Möglichkeit der Einkehr und Meditation. Ein außergewöhnlich reizvolles Angebot der Sinnfindung bietet das Kloster in seinen restaurierten Gartenanlagen aus dem 18. Jahrhundert, darunter auch der Garten der Äbtissin mit seiner Rosenpracht und die wiederbelebten Gärten der Stiftsdamen. Auf deren Spuren kann man in fünf ummauerten Gärten mit Bethäuschen Entspannung und Besinnung finden (www.kloster-druebeck.de).

2013 wird in Sachsen-Anhalt das 20. Jubiläum der Straße der Romanik gefeiert. Noch heute lässt sich dort das Mittelalter erleben. Die rund 1.000 Kilometer lange Route verbindet 65 Orte mit 80 romanischen Domen, Kirchen, Burgen und Pfalzen und lädt zur Zeitreise ins Mittelalter ein. Im Jubiläumsjahr gibt es Gelegenheit, Veranstaltungen zu besuchen und Erlebniswelten der Straße der Romanik neu zu entdecken. Zu den Höhepunkten zählt die Reihe "80 Tage an der Straße der Romanik" mit mehr als 80 Konzerten, Festen, Ausstellungen, Führungen und Festspielen. Ausführliche Informationen und kostenfreie Broschüren gibt es unter www.strasse-der-romanik.de.

Text: Thomas Spindler


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