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Domschätze - Legenden, Preziosen und Meisterstücke

16.03.2013 Thema: Sachsen-Anhalt
Wertvolle Zeugnisse mittelalterlicher Kunst und Architektur erzählen entlang der Straße der Romanik aus längst vergangenen Zeiten.

Stiftskirche Quedlinburg
Stiftskirche Quedlinburg
Foto: Landesmarketing Sachsen-Anhalt GmbH
Zu den Höhepunkten für "Schatzsucher" gehören die Domschatzkammern von Halberstadt, Quedlinburg, Naumburg und Merseburg. Grausame Plünderung heiliger Stätten, zähes Ringen um Macht, Raub eines unfassbar kostbaren Schatzes, ein Krug voller Wunder und kriminelle Kunsthändler - die Straße der Romanik bietet mit ihren vier Domschätzen reichlich Stoff für spannende Geschichten.

Die Quedlinburger Stiftskirche St. Servatius gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und birgt den bedeutendsten Kirchenschatz des Mittelalters. Von herausragender Qualität sind die Reliquienkästen, Schmuckbibeln und Bildteppiche, die im so genannten "Zitter", der Schatzkammer der Quedlinburger Stiftskirche, staunen lassen. Die kostbaren Gegenstände, die vor allem von Reichsgründer Heinrich I. und seinem Sohn Otto dem Großen im 10. Jahrhundert angehäuft wurden, haben eine turbulente Geschichte hinter sich. Von Anfang an weckten sie Begehrlichkeiten und ihre Mehrzahl wurde im Laufe der Jahrhunderte verschleudert oder gestohlen. Die unglaublichste Geschichte ereignete sich in den Wirren des Zweiten Weltkrieges. Die unterirdisch ausgelagerten Kostbarkeiten wurden von den amerikanischen Truppen entdeckt. Dabei kassierte ein kunstsinniger amerikanischer Offizier die wertvollsten Stücke ein - der spektakulärste Kunstraub des 20. Jahrhunderts. 1991 konnte der Schatz durch einen Kunstfahnder aufgespürt und wieder nach Quedlinburg zurückgeführt werden. Zehn noch fehlende Stücke wurden in einer weiteren abenteuerlichen Fahndung bei den Erben des Offiziers in Texas dingfest gemacht. Diese hatten versucht, mittels krimineller Kunsthändler das Diebesgut zu veräußern, dessen Wert auf 100 bis 200 Millionen Dollar geschätzt wird. Darunter befand sich auch der Reliquienkasten Heinrichs I. und sein zeremonieller Kamm. Das Kästchen entstand um 1230 und ist mit erlesenen Elfenbeinreliefs des 10. und 11. Jahrhunderts geschmückt. Sie zeigen an den Längsseiten des Reliquiars die zwölf Apostel, auf den Schmalseiten und dem Deckel Szenen aus dem Leben Christi. Eingebettet sind die monochromen Tafeln in reiche Goldschmiedearbeiten, aus denen Korallen, Edelsteine und Glasfluss herausleuchten. Der Kasten wurde als Schrein für Reliquien aus der Quedlinburger Pfalzkapelle Heinrichs, Knochenstücke der Heiligen Arnulf und Dionysius, gefertigt. Zwei der drei Hauptpatrone des Quedlinburger Damenstifts, das Heinrichs Witwe Mathilde 936 gründete, um für das Seelenheil des verstorbenen Herrschers zu sorgen.
Reliquienbesitz war im Mittelalter die zwingend notwendige Voraussetzung für die Weihe einer Kirche oder die Gründung eines Klosters und Stiftes. Weitere herrscherliche Schenkungen von kostbaren Gegenständen an das Quedlinburger Stift sollten die Wirkung der Fürbitten noch erhöhen. In den Rang einer Reliquie gelang der Kamm Heinrichs I. erst durch seine Nutzung. Der reich mit Goldschmiedearbeit und Elfenbeinschnitzerei verzierte syrische Kunstgegenstand (7. und 10. Jahrhundert) soll das Haar des Begründers der Ottonendynastie, geglättet haben, bevor man ihm die Königskrone aufs Haupt setzte. Als Reliquie allerhöchsten Ranges galt in der damaligen Zeit der Kana-Krug des Stiftsschatzes. Der antike Alabasterkrug (1. Jahrhundert) soll eines der Gefäße sein, in denen Christus bei der Hochzeit von Kana Wasser in Wein verwandelt hat (www.domschatzquedlinburg.de).

Mit mehr als 650 Kunstwerken gilt der Halberstädter Domschatz als der weltweit größte mittelalterliche Kirchenschatz, der an seinem ursprünglichen Ort erhalten geblieben ist. Bedeutenden Zuwachs erhielt er durch die Beute, die der Halberstädter Bischof Konrad von Krosigk während des vierten Kreuzzugs 1204 in Konstantinopel zusammengeraubt hatte. Darunter auch so hochrangige Reliquien wie Schädelpartikel und eine Elle des Erzmärtyrers Stephanus, Patron des Halberstädter Doms. 1208 wurde für den heiligen Kern eine neue kostbare Hülle geschaffen. Der vollplastische Arm besteht aus Holz, das in Nachahmung eines eng anliegenden Unter- und weiteren Obergewandärmels mit vergoldetem Silberblech umkleidet ist. Die Säume sind mit Filigran, Edelsteinen und Perlen reich geschmückt. Eines der ersten Armreliquiare, das durch eine mit Bergkristall verschlossene Schauöffnung den Blick auf das heilige Gebein freigibt. Weltweit einzigartig sind die monumentalen Wandteppiche aus dem 12. Jahrhundert: der "Abraham-Engel-Teppich" und der "Christus-Apostel-Teppich". Die kunsthistorisch außergewöhnlichen Stücke gelten als die ältesten erhaltenden Bildwirkereien des Mittelalters. Neben den heiligen Gegenständen stellt der Halberstädter Domschatz auch Prosaisches zur Schau. Praktisch und doch prächtig gestaltet ist ein priesterlicher Wärmeapfel. Die zwei vergoldeten Metallhalbkugeln mit exquisiten Gravuren wurden mit heißen Steinen gefüllt und dienten den Priestern während der Messe im winterkalten Dom als Handwärmer. In ganz Europa gibt es nichts Vergleichbares (www.dom-und-domschatz.de).

Die ehemals auch reich bestückten Schatzkammern der Bischofskirchen von Merseburg und Naumburg haben herbe Verluste durch Kriege erlitten, beeindrucken aber trotzdem durch kostbare Einzelstücke und kurios anmutende Exponate wie heidnische Zaubersprüche in einem heiligen Buch und eine mumifizierte Königshand.

2013 wird in Sachsen-Anhalt das 20. Jubiläum der Straße der Romanik gefeiert. Noch heute lässt sich dort das Mittelalter erleben. Die rund 1.000 Kilometer lange Route verbindet 65 Orte mit 80 romanischen Domen, Kirchen, Burgen und Pfalzen und lädt zur Zeitreise ins Mittelalter ein. Im Jubiläumsjahr gibt es Gelegenheit, Veranstaltungen zu besuchen und Erlebniswelten der Straße der Romanik neu zu entdecken. Zu den Höhepunkten zählt die Reihe "80 Tage an der Straße der Romanik" mit mehr als 80 Konzerten, Festen, Ausstellungen, Führungen und Festspielen. Ausführliche Informationen und kostenfreie Broschüren gibt es unter www.strasse-der-romanik.de.

Thomas Spindler


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