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Tourismus

Entdeckungen in Sachsen-Anhalts Süden

27.05.2013 Thema: Sachsen-Anhalt
Weinbau prägt die Saale-Unstrut-Region seit über 1.000 Jahren

Freyburg
Freyburg
Foto: Norbert Fox
Steilterrassen und romantische Weinberghäuschen geben der Saale-Unstrut-Region ihr Gepräge.
Liebevoll "Toskana des Nordens" genannt ist der Süden Sachsen-Anhalts längst mehr als ein Geheimtipp. Das nördlichste deutsche Weinbaugebiet gehört mit rund 760 Hektar zu den kleineren. Durchschnittlich 1.600 Stunden scheint im Jahr die Sonne. Für die Reben ideal. Mehr als 60 Weinbaubetriebe sorgen auch im benachbarten Thüringen und Brandenburg für edle Tropfen wie Müller-Thurgau, Weißburgunder, Riesling oder Dornfelder und Portugieser. 2013 wird die Weinstraße Saale-Unstrut 20 Jahre alt. Gäste setzen auf Entdeckungen rechts und links des Weges.

Der erste Nachweis für Weinberge in der Region findet sich in einer Urkunde Kaiser Otto III. von 998. Mönche des 1137 gegründeten Klosters Pforta machten das mittlere Saaletal und das Gebiet an der unteren Unstrut urbar. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts betrug die Weinanbaufläche bis zu 10.000 Hektar. 1887 vernichtete die Reblaus einen Großteil der Anbaufläche von damals 1.000 Hektar, um 1900 gab es noch 31 Hektar. Der Weinbau stagnierte auf niedrigem Niveau bis in das 20. Jahrhundert hinein. Ab 1960 wurde intensiv aufgerebt. Nach 1990 gingen viele Winzer den Weg in die Selbstständigkeit. Einige von ihnen bieten den eigenen Wein in Hofläden an, im Sommer öffnen sie Straußwirtschaften.

Die touristische Weinstraße, 1993 gegründet, wurde inzwischen erweitert und führt heute über 60 Kilometer von Memleben bis nach Bad Sulza. Jüngstes Etappenziel ist ein Lehrpfad. Im Frühjahr 2013 eröffnet, informiert er auf einer Länge von 13 Kilometern von Laucha bis nach Freyburg an 26 Stationen über die Facetten des Weinbaus.

In Freyburg, der heimlichen Weinhauptstadt der Region, erwartet Besucher ein Kleinod. Unterhalb der alles überragenden Neuenburg findet sich der Herzogliche Weinberg. Der kursächsische Steuereinnehmer Gottlieb Barthel ließ ihn 1774 ausbauen. Das Häuschen inmitten der Anlage wurde mit Prunk und Pracht im Stil des Rokoko gestaltet. Zudem sorgte der hohe Herr dafür, dass der Hang ordentliche Terrassen erhielt, die mit dem Gebäude eine unverwechselbare Einheit bilden. Die 0,7 Hektar mit ihren fast 3.000 Weinstöcken können besichtigt werden und bieten Einblicke in den Sortenreichtum des Weinbaus an Saale und Unstrut. 17 typische Weine der Region wachsen dort (www.herzoglicher-weinberg.de).

Manchmal sind es die verrückten Ideen, die Früchte tragen. Am Geiseltalsee, dem größten künstlichen See Deutschlands, reift der Wein heran, an den vor zwei Jahrzehnten an dieser Stelle niemand geglaubt hätte. An den Hängen eines einstigen Braunkohletagebaus gedeihen 20 Jahre nach dessen Stilllegung Müller-Thurgau, Kerner und Spätburgunder. Ein "kleines Wunder" scheint das zu sein. "Warum nicht auch an einer Stelle, die der Mensch viele Jahrzehnte der Natur entzogen hatte und die aussah, wie eine Mondlandschaft", fragt Winzer Lars Reifert eher rhetorisch. "Schwarzes Gold" steht auf den Flaschen mit Eisen und Schlegel als Symbol für den Braunkohleabbau. Im Herbst darf jedermann bei der Weinlese helfen. Als Lohn dafür gibt es ein kräftiges Essen und einen guten Schluck. Ansonsten lädt zwischen April und Oktober die Straußwirtschaft zum Verweilen ein, Führungen finden statt. Gleich neben den Weinbergen weiden Hereford-Rinder als Landschaftspfleger, um die weitere Fläche in Ordnung zu halten. Sie dienen auch als Fleischlieferanten (www.weinbau-am-geiseltalsee.de).

Über dem Tal der Unstrut gerät jedermann ins Schwärmen. Der Blütengrund von Großjena hat den Reiz des Ursprünglichen bis heute bewahrt. "Und überhaupt: hier wird man Mensch", schrieb 1919 der Maler Max Klinger (1857-1920). Für ihn war der Landstrich "der einzige Fleck", an dem er hing. Dort lebte er geraume Zeit, dort starb er schließlich auch. Klingers Weinberg gehört zu den Anziehungspunkten vor den Toren Naumburgs. 2012 wählte ihn das Deutsche Weininstitut zur "Schönsten Weinsicht" an Saale-Unstrut. Das Radierhäuschen, wichtigster Arbeitsplatz des Künstlers, zeigt sich nahezu unverfälscht. Die Dauerausstellung gibt Einblicke in sein Leben und Schaffen. Glanzstücke sind zwei Kachelöfen, von ihm selbst entworfen und geformt. Unterhalb des Weinbergs findet sich das Steinerne Festbuch. Fast 200 Meter lang und mannshoch hat das Relief seinen Platz kurz vor dem Zusammenfluss von Unstrut und Saale. Ab 1722 schuf es ein unbekannter Künstler, der die Szenen in den gewachsenen Buntsandstein arbeitet. Teile der Motive sind nur noch schwer zu erkennen und wurden vor mehr als 15 Jahren umfassend restauriert. In ihrer Art einmalig zeigt das Buch zwölf Motive aus dem Weinbau, zehn davon mit biblischem Inhalt. Man sieht unter anderem Herzog Christian von Weißenfels, das Quellwunder und eine Fuchsjagd. Noah als ersten Weinbauer, Josua und Kaleb, die mit einer schweren Weintraube zurückkehren sowie das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg des Herrn, ergänzen die Darstellungen (www.klinger-weinberg.de).

Informationen zu Veranstaltungen und Reiseangeboten rund um das 20. Jubiläum der Weinstraße Saale-Unstrut und das kostenfreie Faltblatt "Wein-Spezial 2013" gibt es beim Tourismusverband Saale-Unstrut e.V., Tel. 03445/ 23 37 90, www.saale-unstrut-tourismus.de.

Klaus-Peter Voigt


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