Grüne Träume in unendlicher Weite - der Wörlitzer ParkDer Wörlitzer Park brachte schon Goethe ins Schwärmen
Landesmarketing Sachsen-Anhalt GmbH
Natur ist Natur, Kunst ist Kunst - und beides zusammen geht eine
romantische Liebesbeziehung im Wörlitzer Park ein. Der ist der Höhepunkt im
25 Kilometer langen Gartenreich Dessau-Wörlitz entlang der Mittleren Elbe,
das inzwischen Weltrang besitzt. Die UNESCO setzte die 112 Hektar vor fünf
Jahren auf die Weltkulturerbeliste, weil sie "ein herausragendes Beispiel
für die Umsetzung philosophischer Prinzipien der Aufklärung in einer
Landschaftsgestaltung" seien, "die Kunst, Erziehung und Wirtschaft
harmonisch miteinander verbinden".
Was das genau bedeutet, kann man dann weiterlesen in vielen Prospekten -
oder erleben: entweder per Gondel auf den künstlich angelegten Kanälen und
dem abgestorbenen Elbarm oder zu Fuß auf verschlungenen Wegen. Immer wieder
eröffnen sich, wie Jean Paul einst sagte, "lange sonnentrunkene
Perspektiven". Sichtachsen sagen Touristiker heute dazu - Hobbyfotographen
finden unzählige Motive: Romantische Blicke durch die Bäume zu Statuen,
Häuschen, Seen, Tempel und Vasen. Vor allem die leicht erhöhten 17 Brücken
gewähren "Sternblicke" in die Sichtschneisen - und sind selbst eine
Attraktion: Von der einfachen Hornzackenbrücke bis zur Nachbildung der
ersten Brücke in Eisenkonstruktion reichen die Baustile - so sind die
Brücken auch exemplarisch für das Anliegen von Fürst Leopold Friedrich Franz
von Anhalt-Dessau, der den Park vor mehr als 200 Jahren anlegen ließ: Nicht
nur der Abwechslung wegen ließ der Anhänger der bürgerlichen Aufklärung die
errichten, sondern vielmehr der Bildung wegen: Das, was ihn auf seinen
ausgedehnten Reisen nach England, Frankreich, Italien und Holland
beeindruckte, sollte auch das Volk kennen lernen. Also findet sich auf der
Felseninsel "Stein" auch ein aus Findlingen zusammengesetzter Vulkan. Sobald
die Restaurierung im September abgeschlossen ist, soll der auch wieder Lava
spucken - rot gefärbtes Wasser.
Die Wörlitzer Anlagen sind gestaltete Aufklärung, lehrhaft plastisch wird
hier die Welt nachgeahmt. Venustempel, Pantheon oder Floratempel erinnern an
die Antike, das Gotische Haus ist auf der einen Seite wie eine
oberitalienische Kirche gebaut, auf der anderen Seite in norddeutscher
Backsteingotik. Aus England brachte der Fürst zudem seine Leidenschaft für
die klassizistische Baukunst mit - hierzulande wurde er deren Wegbereiter,
das Schloss war der Gründungsbau des Klassizismus in Deutschland.
Fotograf: Hortec GbR
Nicht entgehen lassen sollten sich Besucher des Parks schließlich das
Erlebnis, aus der dunklen Venusgrotte hinauf zum Elbwall zu steigen, hinter
dem sich in strahlender Helle die Elbwiesen ausdehnen. Mittendrin stehen
mächtige Solitäreichen, die während des Hochwassers einen Teil des Drucks
nehmen und vor allem im Winter den Deich vor zerstörerischen Eisschollen
schützen. Das Deichsystem hat Fürst Franz in die Landschaftsgestaltung
einbezogen, ganz im Sinne seines Wahlspruchs, das Schöne mit dem Nützlichen
zu verbinden.
Bleibt auf das - leider arg verwitterte - Schriftband am Warnaltar von 1800
hinzuweisen, dem ältesten Naturdenkmal: "Wanderer, achte Natur und Kunst und
schone ihre Werke."
Von Kristin Kaiser
Weitere Informationen: Wörlitz-Information, Tel. 034905 / 20216
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